Ein Lobbrief über die polnische Ostseeküste

Betrieb auf der Swine.

Betrieb auf der Swine.

Über Usedom ging es in Reiseland Nummer zwei – Polen. Das Ganze verlief so unspektakulär, dass es noch nicht mal ein Foto mit dem Tier neben dem Schild „Republik Polen“ gibt. Denn das erste Schild was da auftauchte hatte ich nicht richtig ernst genommen, da es doch recht popelig aussah. Als dann aber kein weiteres Schild kam und ganz offensichtlich die Grenze hinter mir lag, wollte ich aber auch nicht nochmal umkehren. Das läuft dann wohl unter der Kategorie Anfängerfehler für Weltreisende.

Nachdem das Portemonnaie mit Zlotys bestückt war, ging es in Swinemünde mit der Fähre weiter über die Swine auf die Insel Wollin. Beim Verlassen der Stadt schickte mich das Navi in den Wolliner Nationalpark. Dort durfte ich sogleich Bekanntschaft mit den polnischen Radwegen schließen – es wurde richtig schön sandig. So sandig, dass das schwer bepackte Tier einige Stücke geschoben werden musste. Wenn das ab jetzt so weiter geht, na dann Prost Mahlzeit! Irgendwann wurden die Wege dann fester und der Blick auf den Wald entschädigte für die Anstrengungen. Denn wenn es sich zwar nur um einen Kiefernwald handelte, so war dieser mit Heide, Moosen und Blaubeersträuchern bestückt. Eine im Abendlicht herrlich anzusehende Mischung.

Im Wolliner Nationalpark.

Im Wolliner Nationalpark.

Wohin genau ging es denn nun eigentlich? Das erste große Ziel war Danzig, von dort aus sollte es dem Eurovelo 9 folgend schließlich in Richtung Süden gehen. Um nun wiederum nach Danzig zu gelangen, fuhr ich den Ostseeküstenradweg entlang. Zumindest so lange, bis ich es nicht mehr aushielt. Rügen und Usedom hatten mir mit den vielen Strandtouristen nicht ganz so zugesagt, die polnische Ostsee sollte das aber noch steigern. Im ersten Ferienort Misdroy sah es so aus: Jede Menge Hotels, Restaurants, Buden und Geschäfte mit Fastfood, Eis, Souvenirs, Klamotten, Hüten, Luftballons, Haarextensions, ... und dazu Unmengen von Urlaubern. Wirklich Unmengen, je mehr Geschäfte und Buden an einer Stelle waren, desto mehr Menschen sammelten und schoben sich da durch. Es hatte etwas von Weihnachtsmarkt. Der Fahrradweg war hier zwar bestens ausgebaut aber trotzdem mit Menschen vollgestopft. Viele E-Bikes, noch viel mehr rein elektrisch angetriebene Zweiräder – entweder als Roller oder Motorrad-Imitate – Tretautos, Fußgänger, Kinderwagen und auch ein paar normale Fahrradfahrer.
Die seichte Hoffnung, dass es eine Besserung gibt wenn ich erst einmal Wollin verlassen würde, schwamm aber zusehends dahin. Egal in welches Nest ich an der Küste kam – es sah genauso aus wie in Misdroy. Optional gab es manchmal noch eine Seebrücke, meist ein oder zwei Rummel, einen Hafen auf dem Menschen in nachgebauten Wikingerschiffen mit Dieselmotor verfrachtet wurden und noch viel mehr Menschen. Aber gut, wer in den polnischen Sommerferien hofft den Ostseeküstenradweg entspannt zu fahren, kann nur ein Fuchs sein.

Hey, Hey, Wicki!

Hey, Hey, Wicki!

Irgendwann gab ich dann also die Küste auf und fuhr etwas weiter landeinwärts gen Danzig. Hier war touristisch gesehen tote Hose. Dafür gab es kleine Dörfer mit alten Backsteinhäusern und Backsteinhöfen zu sehen. Und viel Landwirtschaft. Die Dichte an kleinen Höfen scheint mir allgemein in Polen viel höher zu sein als in Deutschland. Und auch wenn ich hier nicht an jeder Ecke ein Eis, Burger, Lángos, pink-blond gesprenkelte Haarverlängerungen oder sonstwas kauen konnte, so war es dort doch viel schöner.
Zugegebener Maßen gab es an der Küste zwischen manchen der Ferienorte auch etwas schönen Kiefernwald, der jetzt nicht mit dem Brandenburgischen vergleichbar, sondern wegen des Unterholzes und der krumm gewachsenen Bäume viel schöner zum Betrachten ist. Aber die Gefahr wieder in so einen Menschenstrudel zu geraten war mir einfach zu hoch.

  11.09.21 um 9:42 Uhr
  polen, wald, ostsee, radreise
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