Mit der Transsib durch Sibirien – Teil 3

Was, du bist 4 ½ Tage mit einem Zug gefahren? Ist das nicht langweilig?

Naja, wir sind ja vorher schon 2 Tage lang Zug gefahren, also insgesamt eigentlich 6 ½ Tage. Meinetwegen hätten es auch gern noch ein paar Tage mehr sein können. Doch um ehrlich zu sein, war ich mir im vorhinein auch nicht ganz sicher, ob das ganze nicht langweilig werden würde.

Langweilig war es aber keinesfalls, schließlich waren wir nicht alleine im Zug. Von Moskau nach Ulan-Ude kann man zum einen mit der Russischen Eisenbahn fahren oder mit Zügen der Chinesischen Bahn. Da die Chinesische Eisenbahn von Ulan-Ude weiter durch die Mongolei bis nach Peking fährt, nahmen wir deren Zug. Und er entpuppte sich als eine Art rollendes Hostel auf Schienen. So fuhren in unserem Wagon Reisende aus den verschiedensten europäischen Ländern mit: Marta aus Polen, Eoghan aus Irland, aus Schweden war Daniel am Start, Josh kam aus Wales und zwei Norweger waren auch noch dabei. Einige verließen den Zug in Irkutsk, es kamen neue Gesichter dazu, andere fuhren wiederum weiter bis nach Peking. Da wir alle im gleichen Boot Zug saßen, gab es genug Zeit um sich zu unterhalten. Daniel erzählte von seinen bisherigen Zugreisen und machte uns damit hungrig auf mehr, Marta und Eoghan berichteten von ihren Backpackingplänen und natürlich ging es auch um das was wir während der Fahrt sahen und erlebten. 

Zugticket

Die Fahrscheine wurden von den Schaffnern bei Beginn der Fahrt eingesammelt
und kurz vor der Zielstation wieder ausgehändigt.

Allabendlich versammelte sich eine Gruppe in unserem Abteil zum Kartenspiel sowie der gemeinsamen Verköstigung lokaler Getränke. Die chinesischen Schaffner störte dies nicht, denn eines morgens sahen auch diese aus, als ob es eine sehr lange Nacht gewesen wäre. Der Samowar war jedenfalls ausgegangen, was den Schaffnern wohl doch etwas peinlich war.

Schließlich war der Samowar fester und wichtiger Bestandteil eines jeden Wagens. Es gab dadurch fast immer heißes Wasser zum Brühen von Kaffee oder Tee. Auch die Mittagsversorgung konnten wir mit dem Samowar abdecken. So hatten wir uns noch in Moskau mit jeder Menge Fertiggerichte eingedeckt, die nur noch mit heißem Wasser aufzugießen waren. Doch auch unterwegs hätten wir davon mehr bekommen können. An zahlreichen Bahnhöfen gab es kleine Kioske direkt auf den Bahnsteigen, die Knabbereien, Tütensuppen, Wurst, Eis und hin und wieder auch Bier und Wodka verkauften. Zugegeben, es war manchmal auch eine kleine Jagd nach Essen und Getränken, schließlich waren es meist nur zehn oder fünfzehn Minuten, bis unser Zug weiter fuhr und der war pünktlich. Neben den Kiosken standen an einigen Bahnhöfen auch ältere Frauen mit Teigtaschen oder geräuchertem Fisch, wo wir hin und wieder etwas probierten. 

Fertignudeln mit frischer Wurst vom Bahnsteig

Fertignudeln mit frischer Wurst vom Bahnsteig

Am Abend suchten wir den Speisewagen am Ende des Zuges auf und probierten die russische Küche. Der Borschtsch war sehr gut, die Variationen von Pfannkuchen mit Kaviar oder Fisch wirkten recht interessant. Etwas schräg wirkte der rund um die Uhr dudelnde russische Trash-Pop, zu welchem sich eine funkelnde Diskokugel drehte. Erstaunlich, wie die Kellnerin dies den ganzen Tag aushielt.

Wenn es mal wieder etwas ruhiger im Wagon geworden war blieb genügend Zeit um aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft in sich ein zu saugen, zum Lesen, Tee trinken, Tagträumen, Abschalten. Zumindest bis der Zug nach ein paar Stunden wieder in einer Stadt hielt, denn dann strömten alle nach draußen – inspizierten den Kiosk und vertraten sich die Beine. Sobald sich der Zug wieder in Bewegung setze, konnten wir vom Fenster aus beobachten wie der Zug in die menschenleere Weite entschwand. Eine Weite die besonders zur Geltung kam, da es noch Tage dauern würde bis wir unser Ziel erreichten.

Die Fahrt mit der Transsib ist auf jeden Fall empfehlenswert. Es ist eine großartige, gemütliche Art des Reisens, schließlich geht es mit dem immer gleichen Tap-Tap, tap-tap recht gemächlich durch Sibirien.

Unser Zugpferd Wagon 2. Klasse Wagon 1. Klasse Unser Abteil Sommer, Grenzkontrolle, es dauert – zum Glück gibt es einen Ventilator. Samowar Kiosk in Novosibirsk Ein weiterer Kiosk Wir spielen Knack Hausbar

vom 19.06.17 um 23:27 Uhr, 0 Kommentare
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März-Bild(er)

Märzenbecherwiesen

Märzenbecherwiesen

Eine kleine gemütliche Runde im oberen Polenztal, zwischen Scheibenmühle und Bockmühle.

vom 19.03.17 um 21:20 Uhr, 0 Kommentare
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Mit der Transsib durch Sibirien – Teil 2

Güterzug

Bei der Zugfahrt durch Sibirien beeindruckt die scheinbar unendliche Weite. Auf unserem sommerlichen Trip war alles grün, oft schien die Sonne, der Baikalsee funkelte. Aber wie sehen die Städte, Dörfer und Bahnanlagen entlang der Bahnstrecke aus?

Die transsibirische Eisenbahn ist von Moskau bis Ulan-Ude durchgängig zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Überall sieht man Bautrupps, welche an der Strecke arbeiten. Uns begegneten täglich zahlreiche, lange Güterzüge mit mindestens zwei Lokomotiven und in den zahlreichen, groß angelegten Güter- und Rangierbahnhöfen standen noch viel mehr Wagons und Lokomotiven herum. Es ist eindeutig zu erkennen, dass die Bahn der zentrale Infrastruktur-Faktor ist, der in Schuss gehalten wird. Natürlich gibt es auch hin und wieder alte zerfallene Bahnanlagen zu sehen, doch das findet man bei uns auch. Neben der Bahn scheint die Schifffahrt ebenso von enormer Bedeutung zu sein, anders lassen sich die riesigen Häfen am Irtysch, Ob oder Jenissei nicht erklären. Aber zugegebenermaßen: Es sind schon auch gewaltig breite Flüsse, welche wir da überquert haben.

Auffallend sind auch die unzähligen Bahnmitarbeiter. In jedem Bahnhof klopfen zahlreiche Bahnangestellte die Achsen auf Beschädigungen ab, in den Personenzügen scheint es pro Wagon zwei Schaffner zu geben, in den Postzügen sitzt in jedem Wagen mindestens ein Mitarbeiter und sortiert Briefe sowie Pakete. Und auch die Bahnwärterhäuschen entlang der Strecke für die Bedienung der Schranken oder von anderen Bahneinrichtungen scheinen noch besetzt zu sein – so wie es bei uns auch einmal war.

Ein Dorf in Sibirien

Im Kontrast zur Bahn stehen die unzähligen kleinen Dörfer, die wir ständig passieren. Zerfallene Dörfer, aus einer scheinbar längst vergangenen Zeit. Die kleinen Holzhütten sind unzählige male geflickt, Farbe blättert ab, Holz verrottet, die Fensterläden hängen schief an den Wänden und scheinen bald abzufallen. Strommasten stecken schief im Boden, Industriegebäude sind überwuchert, Metallgerüste verrosten. Doch diese Dörfer sind keines Falls verlassen. Auf den Straßen fahren alte Ladas und neue westliche Autos, in den Gärten stehen gleichermaßen Jung und Alt in der Furche, Kinder spielen. Hin und wieder stehen zwischen den zerfallenen Gebäuden auch einige renovierte, frisch gestrichene Häuschen. Aber im Gesamtbild sehen die Dörfer nach Zerfall aus. Und wir sehen nur die Dörfer, welche an der Bahn liegen.

Aber auch die großen Städte wie zum Beispiel Perm, Omsk, Nowosibirsk oder Krasnojarsk wirken vom Zug aus eher beklemmend als einladend mit ihren unzähligen, aschgrauen Plattenbauten und den verbraucht aussehenden Industrieanlagen.

Zumindest ist das der Eindruck, den wir aus der Transsib heraus bekommen – 4½ Tage lang auf ca. 6000 Kilometern. Und wir haben ja auch nur die Dörfer und Städte gesehen, welche an der Bahn liegen – der Lebensader von Sibirien.  

vom 14.02.17 um 21:34 Uhr, 0 Kommentare
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