Hüttenfeeling

Links der Elbe ist es in der Sächsischen Schweiz eher ruhig im Vergleich zum schon fast überrannten rechtselbischen Teil. Doch vielleicht ändert sich ja etwas an der Ruhe, denn der Sachsenforst legt schon seit geraumer Zeit den Forststeig an. Einen Trekkingpfad, der sich rund hundert Kilometer über markante Berge und Aussichtspunkte durch die linkselbischen Wälder zieht, immer versucht so wenig wie möglich die Zivilisation zu kreuzen. 

Ein richtiger Trekkingpfad, mitten bei uns im Elbi! Das ganze ist in meinen Augen eine super Idee, da Trekkingbegeisterte in unseren Gefilden bisher eher in die Röhre schauen. Klar kann man den Malerweg, den Kammweg oder ein Stück der Fernwanderwege laufen allerdings braucht es dort ein ganzes Stück Selbstorganisation. Beim Forststeig soll es eine Route geben mit Treckkinghütten und Biwakplätzen, so dass man seinen Rucksack „nur noch“ packen muss und los geht's. Im nächsten Jahr soll das Ganze eröffnet werden, dieses Jahr wurde schon fleißig Testgewandert, das Netz sprudelt auch schon mit allerlei Informationen zum Forststeig.

Wir sind neulich ein Stück durchs Bielatal gewandert und anschließend ein Stück dem zukünftigen Forststeig zur Rotsteinhütte gefolgt. Unser Plan war es die Hütte zu testen. 

Das kleine Schildchen welches am Wegesrand auf den Abzweig zur Hütte hinweist lässt unsere Herzen schon etwas höher schlagen, zwischen den Bäumen lässt sich schon etwas vom Dach erkennen. Die Spannung steigt auf den letzten Metern. Da steht sie, die Rotsteinhütte. Gelb auf Grün prangt der Name auf einem Schild neben der Tür. Neben der Hütte steht ein kleiner Schuppen. Darin bindet sich eine Axt zum Holzhacken, ein an die Dachrinne angeschlossener Wassertank und eine Komposttoilette. Vor der Hütte gibt es Sitzgruppen mit Tisch. Peter und ich schauen uns an, dieses Konzept kennen wir doch!

Wir lassen unsere Schuhe vor der Tür stehen und besichtigen das Innere der Hütte. Es gibt einen Raum mit Arbeitsplatte zum Kochen, einen Gemeinschaftsraum und einen abgetrennten Schlafraum. Im Schlafraum sind Holzpritschen hereingezimmert, darauf werden wir später unsere Isomatten ausrollen. Aber auch im Gemeinschaftsraum gibt es noch auf zwei Ebenen Pritsche zum Schlafen, zwei Tische mit Sitzgelegenheit, einen Ofen und Kerzenhalter. Einen Lichtschalter gibt es nicht. An einer Wand hängt ein Briefkasten als Ticketbox. Hier werfen wir einen Abreißabschnitt unseres Hüttentickets ein, welches wir uns vorher beim SBB besorgt haben. Auf dem Tisch liegt ein Hüttenbuch, in welchem wir uns anschließend noch eintragen werden.

Peter und ich sind nun hundertprozentig davon überzeugt, dass dieses Hüttenkonzept ziemlich clever bei den Kiwis abgekupfert ist. Neuseeland ist nur so gespickt mit Hütten wie dieser. Immer mit Regenwassertank, Komposttoilette, Pritschen zum Schlafen, Ofen, Ticketbox und Hüttenbuch. Selbst das Layout der neuen Schilder des Sachsenforsts entspricht dem des Department of Conservations in Neuseeland – gelbe Schrift auf dunkelgrünem Hintergrund.

Es wird ein gemütlicher Hüttenabend. Bei den einen gibt es eine Gemüse-Couscous-Pfanne, bei mir eine indische Reispfanne aus der Tüte, verfeinert mit Zucchini und Möhren. Später gibt es einen Becher Brombeerwein und etwas Schokolade zum Knabbern. Es schmeckt herrlich hier draußen. Wir Singen begleitet von der Ukulele, spielen Karten und unterhalten uns im Kerzenschein. Als wir irgendwann unser Nachtlager vorbereiten stellen wir fest, dass der Himmel aufgezogen ist. Eine herrlich klare Nacht mit einem wunderschönen Sternenhimmel. Irgendwo in der Nähe scheint ein jugendlicher Kauz sein Gesangstalent zu trainieren. Andy beschließt draußen auf einer der Bänke zu übernachten, um in die Sterne zu schauen, gut für uns – ein Schnarcher weniger :-)

Als wir am nächsten morgen vor der Hütte frühstücken wollen fängt es wieder an zu Regnen. Ein Glück dass wir das Dach der Hütte über dem Kopf haben. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und nutzen die zur Reinigung bereit stehenden Besen und Lappen. Zufrieden und glücklich verlassen wir die Hütte wieder gen Bielatal. 

Wir sind davon überzeugt, dass sich dieses Konzept der rustikalen Selbstversorgerhütten hier gut bewähren wird. Das gut gefüllte Gästebuch bestätigt unseren Eindruck. Es hat auf jeden Fall eine ganze Menge Charme mit eigenem Klopapier, Gaskocher, Kerzen, Isomatte und Schlafsack in die Cunnersdorfer Wälder aufzubrechen, um einen Hüttenabend zu verbringen. 

Rotsteinhütte Schuppen mit Toilette, Wassertank und Holzlager Die Kompost-Toilette abgetrennter Schlafraum Küche Sächsisches Hüttenticket vs. Neuseeländisches Hüttenticket Neuseeland-Vergleich: Waiaua Gorge Hütte Neuseeland-Vergleich: Gemeinschaftsraum Neuseeland-Vergleich: Schlafbereich

vom 05.08.17 um 20:18 Uhr, 0 Kommentare
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Julibild(er)

Augustbild

Die Bilder des Monats sind auf dem Keller Open Air in Radeburg entstanden. Hier zu sehen sind die CatEaters, der letzte Act vom Samstag.

Rapid CatEaters

vom 31.07.17 um 20:42 Uhr, 0 Kommentare
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Reisen in der Mongolei

Durch die Steppe

Unsere komfortable Reise in die Mongolei mit der Transsib endete nachts halb drei in Darhan. An dem immernoch geöffneten Fahrkartenschalter besorgten wir uns Tickets für den Schlafwagen im Zug nach Erdenet. Dieser stand schon bereit und sollte anderthalb Stunden später abfahren.

Weit hinten am Ende des Bahnsteiges stand unser Platzkartnie-Wagon. Platzkartnie heißt, dass es sich um einen Wagon mit lauter Doppelstockliegen ohne Unterteilung in einzelne Abteile handelt. Die Wagonschaffnerin wies uns unsere Liegen zu. Wir überzogen die Liegen möglichst leise, denn um uns herum schlief schon alles. Es hieß nun Schlafplatz einnehmen. Mein Reisegefährte ließ mich glücklicherweise unten schlafen, er selbst legte sich auf das obere von der Wand abstehende Brett und frage mich anschließend ob ich ihm den nach unten hängenden Gurt hochreichen könne, damit er nicht runter rollt. Na wenn das mal gut geht. Die Liegen waren nur für kurze Mongolen ausgelegt, so dass wir letztendlich mit unseren überhängenden Beinen den ganzen Gang blockierten.

Kaum waren wir am nächsten Morgen in Erdenet angekommen, stand schon ein „Taxi, Taxi“ rufender Mann im Wagon vor uns. Ja, wir fielen auf. Der aufdringliche Herr fuhr uns dann direkt in die Stadt hinein, da der Bahnhof doch ein ganzes Stückchen außerhalb lag. In Erdenet suchten wir uns eine Art Überland-Taxi nach Mörön und wurden auch fündig. Einziges Problem: Wir waren die ersten Fahrgäste. Es hieß also warten, da die Fahrerin nicht losfahren würde, bevor das Taxi voll war. Nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden in der brütenden Sonne ging es los. Auf die Rückbank des PKWs quetschten sich vier Fahrgäste, ich saß vorn. So sollte es über 400 Kilometer nach Mörön gehen.

Trotz Klimaanlage war es verdammt stickig. Irgendwann mitten in der Steppe überholte uns ein Auto hupender Weise, unsere Fahrerin fur rechts ran und eine Mitfahrerin wechselte in den anderen Wagen. Nach der Mittagspause in einem kleinen Restaurant mitten im Nirgendwo, saß die Dame aber wieder bei uns auf der Rückbank. Ich war verwirrt. Hätten wir mit so vielen Passagieren die Checkpoints in der Steppe nicht passieren dürfen?

ÖPNV in der Mongolei

ÖPNV in der Mongolei

Als wir irgendwann in Mörön ankamen, sollte ich ein weiteres mongolisches Transportmittel kennen lernen: den Mini-Van. Davon fuhren einige als Art öffentlicher Personennahverkehr im Kreis durch die Stadt, wobei eine Art Marktschreierin durch die geöffnete Fensterscheibe laut die freien Plätze anpries. Sie war es auch, welche nach dem Einstiegen die lächerlichen 400 Mongolischen Tugrik für eine Fahrt kassierte. Wir quetschten uns mit unseren Backpacks hinein und es ging quer durch Mörön. An jeder weiteren Straßenecke stiegen immer mehr Fahrgäste zu. Ich sollte in den nächsten Tagen lernen, dass in solch einem 12-Sitzer locker 25 Menschen Platz finden.

Neben Taxi, Überland-Taxi und Mini-Van kann man die Mongolei natürlich auch noch mit dem Pferd, dem Flugzeug, dem Überland-Bus oder auf dem Motorrad bereisen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Checkpoint in der Steppe Straße in Mörön Straße in Mörön Die Geier warten auf überfahrene Tiere.

vom 11.07.17 um 21:39 Uhr, 0 Kommentare
Tags: reisephotosbahnmongolei

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