Bloß gut, dass sich Vater Staat um uns sorgt

Wir, das einfache Volk, können stolz auf unsere Politiker sein. Sie lenken unser Schicksal und passen darauf auf, dass sie uns nicht zu wenig überwachen, um uns vor bösen Terroristen zu schützen oder um uns das Leben dadurch viel einfacher zu machen.

Nehmen wir doch mal die Vorratsdatenspeicherung als Beispiel. Wer hat wann mit wem telefoniert, gesimst oder gemailt?

Kann man diese Fragen beantworten, so ist die Erstellung von Bewegungsprofilen, die Ermittlung von Freundschaftsbeziehungen usw. ein Klacks und wir können somit ein ganzes Volk unter Generalverdacht stellen, jeden einzelnen Bürger. Das muss fantastisch sein - die Komplettüberwachung, ganz nach Orwell und das alles legal! Wo soll denn da noch Platz für Verbrechen sein?

Verbrechen im allgemeinen? Wie jetzt - ging es bei der Voratsdatenspeicherung am Anfang nicht bloß um Terrorismus? Naja, egal!

Fälschungssichere Ausweisdokumente! Auch hier sorgen sich unsere Politiker gut um uns, denn mit der Einführung von elektronischem Reisepass und elektronischem Personalausweis haben wir dank modernster Technologien (fast) fälschungssichere Identifikations-dokumente. Bloß gut, dass da keine Mühen und Kosten gescheut werden, auch wenn es in den letzten fünf Jahren nur sechs Fälschungen gab  ...

Doch da gibt es ja noch die Kritiker, die behaupten, dass das Missbrauchsrisiko der RFID-Chips, welche auf den Pässen sind, zu hoch ist, zwar gibt es Gesetze die bestimmen wer die Daten zur Identifikation auslesen kann, aber gibt es solche Gesetzte auch in anderen Ländern? Ach, was soll’s!

Auch neu im Angebot: die lebenslange Steueridentifikationsnummer. Man erhält sie schon bei Geburt und sie ist auch noch bis 20 Jahre nach dem Tod gültig. Großartig ist dabei, dass die Daten jeder Person dann in einem Zentralen Register gespeichert werden und somit angeblich viel Bürokratie abgeschaft wird. So kann dann auch der Arbeitgeber bestimmte Informationen einfach abrufen um unnötige Fragen zu sparen.

Schon eigenartig, dass manche Leute diese Nummer wie so eine Art Tätowierung von Vieh ansehen oder auch Angst haben, dass auf die zentral gespeicherten Daten Begehrlichkeiten anderer Behörden entstehen können. Warum sollte es denn einen solchen Missbrauch geben? Ein plötzliches Umschwenken der Politik wie bei der Nutzung der protokollierten Mautdaten wird es schon nicht geben.

Ja und die elektronische Gesundheitskarte soll hier natürlich nicht unter den Tisch fallen. Auch sie wird uns viele viele Erleichterungen bringen. Ausgestattet mit einem Foto, das ist ganz wichtig - sonst behandelt der Arzt am Ende noch einen anderen Patienten - und einem Chip. Die Patientenakte soll auch zentral auf einem Server gespeichert werden, selbstverständlich werden die Daten dabei verschlüsselt übertragen.

Ein praktisches Szenario wäre zum Beispiel wenn mein Augenarzt dann nachschauen kann, welches Syphilismedikament ich vor zwei Jahren verordnet bekommen habe und ob sich dieses mit den Augentropfen überhaupt verträgt.

Die Palette der Anwendungen dieser elektronischen Gesundheitskarte ist enorm, Missbrauch natürlich ausgeschlossen.

Um uns wird sich also bestens gekümmert.

Und wer nun doch irgendwelche Bedenken hat, der sollte einfach nicht soviel darüber nachdenken, die werden da oben schon das richtige machen!

  08.08.08 um 23:38 Uhr
  überwachung, menschen, statement
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