Nach drei Wochen endlich Sonnenschein

Küstenstraße entlang der griechischen Westküste.

Küstenstraße entlang der griechischen Westküste.

Nach zwei Nächten in der verlassenen Hütte sollte es laut Wetterbericht nun endlich mal wieder für die kommenden Tage trocken bleiben. Kurz nach 10 Uhr hörte es dann auch auf zu regnen und ich konnte mich voller Motivation wieder auf das Tier schwingen. Von Arta aus sollte es nun um die Bucht von Preveza/ Amfilochia herum und anschließend immer entlang der griechischen Westküste bis zur Meerenge Rio-Andirrio gehen.

Die letzten Wolken formieren sich.

Die letzten Wolken formieren sich.

Es war eine Wonne endlich wieder im Sattel zu sitzen und weiter zu rollen. Irgendwann zur Mittagspause gab es dann allerdings wieder einen heftigen aber kurzen Regenschauer – gut, dass ich in einer Bushaltestelle Platz genommen hatte. Am Abend, eine halbe Stunde vor Ankunft an der als Zeltplatz auserkorenen Wiese gab es das gleiche Spiel, nur diesmal ohne schützende Bushaltestelle. So richtig regenfrei war das noch nicht.

Am nächsten Morgen schien dann zur Abwechslung mal die Sonne und ernst zu nehmende Wolken waren keine in Sicht. Dies sollte nun für die nächsten Wochen auch so bleiben, endlich! Gegen Mittag hielt ich in der Kleinststadt Vonitsa am Hafen, breitete die nasse Ausrüstung zum Trocknen aus und genoss die wärmende Sonne. Als alles trocken war ging es auf der Küstenstraße weiter. Und verdammt war das eine schöne Route. Zu meiner rechten funkelte das Meer tief blau im Sonnenlicht, in der Ferne gab es jede Menge Inseln und zu meiner linken befanden sich steile felsige Gebirgszüge. Landschaftlich erinnerte es mich an die Küstenstraße von Kroatien, nur dass hier kaum Verkehr war, da es sich nicht um eine Hauptverkehrsstraße handelte. Ich passierte kleine Fischerdörfer, fuhr an zahlreichen Schaf- und Ziegenherden vorbei und durchquerte etwas landeinwärts unzählige Orangenplantagen. Griechenland schien sich mit mir versöhnen zu wollen.

Bei bestem Wetter entlang der griechischen Westküste.

Doch die nächste Herausforderung sollte nicht lange auf sich warten lassen. An einem Morgen ging es an einer Brücke kurz hinter Mesolongi nicht mehr weiter. Die Brücke war an zwei Segmenten komplett eingestürzt, ebenso die sich daneben befindende Eisenbahnbrücke. Und es handelte sich dort nicht mehr um eine Nebenstraße, es war die EO5 – so was wie bei uns die B5. Nach einem Blick auf die Karte war ich etwas ernüchtert. Es gab lediglich zwei Optionen: Entweder die nahe gelegene Autobahn oder ein Umweg von wohl mindestens 200 Kilometern. Ich radelte also zur nächsten Autobahnauffahrt die gleichzeitig an einer Autobahnraststätte gelegen war, positionierte mich taktisch gut um möglichst Auffahrende und Raststättenbesucher abzupassen und versuchte nun ein Auto anzuhalten, welches mich bis zur nächsten Abfahrt mitnehmen würde.

Hier geht es nicht weiter.

Hier geht es nicht weiter.

Allerdings dauerte es keine fünf Minuten bis ein Fahrzeug der Autobahnwache erschien und mir der Herr mitteilte, dass ich hier nicht stehen könne. Das Problem mit der kaputten Brücke verstand er und so verwies er mich an der Raststätte zu warten. Widerwillig schob ich dahin und probierte es da. Nachdem ich in ungefähr 15 Minuten jedoch drei Pickups die Auffahrt hinauf fahren sah und kein passendes Auto an der Raststätte vorbei kam, rollte ich zu meinem ursprünglichen Platz zurück. Und wieder war nur nach wenigen Minuten ein anderer Herr von der Autobahnwacht da und verwies mich des Platzes. Ich begann mit ihm zu diskutieren, da hier jede Menge Platz war um mit einem Fahrzeug zu halten (die Griechen scheren sich eh nicht um Verkehrsregeln), doch es war wohl angeblich verboten. Er zeigte mir dann auch die Kamera durch die ich wohl entdeckt wurden bin. Verdammt ey. Wieder zurück zur Raststätte, dort eine Ewigkeit ausharrend und kein passendes Auto findend, fuhr ich anschließend definitiv entgegen aller geltenden Regeln wieder die komplette Auffahrt zurück bis einen Meter vor das Autobahn-Schild. Keine fünf Minuten später hielt ein freundlicher Grieche mit seinem Pickup, der mich bis zur nächsten Abfahrt mit nahm. Puh, geschafft. Vielen Dank!

Die Rio-Andirrio-Brücke.

Wieder zurück auf der Bundesstraße ging es ein paar Meter bergauf und anschließend eröffnete sich mir ein herrliches Panorama auf den Golf von Korinth mit der Meerenge von Rio-Andirrio und die dahinter gelegene Halbinsel Peloponnes. Die 2,5 Kilometer breite Meerenge wird durch eine schon von weitem als sehr markant zu erkennende Autobahnbrücke überspannt. Zwar hätte ich auch die Fähre nehmen können um auf die Halbinsel zu gelangen, aber wann kann man schon mal über eine Meerenge drüber radeln? Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen und so ging es an diesem Tag gleich für ein zweites mal auf die Autobahn – diesmal allerdings mit einem Fußgängerweg an der Seite der Brücke. Auch wenn der Wind ganz schön blies, so war es doch ein verdammt tolles Gefühl mit dem Rad über das 65 Meter tiefe Meer drüber zu radeln. Dafür habe ich das Tier gern an den beiden Brückenköpfen für die Treppen be- und entladen.

Das gute Wetter der vergangen Tage sollte sich auf der Peloponnes fortsetzen, perfekte Voraussetzung für eine gemütliche Umrundung der Halbinsel. Doch das ist schon wieder etwas für den nächsten Artikel.

Reisezeit: 12.12. – 15.12.2021

  19.03.22 um 9:00 Uhr
  meer, radreise, griechenland
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Kommentare

Andreas
schrieb am 19.03.22 um 16:17 Uhr:

Während des Baus der Brücke zu den Pelepones gab es massive Proteste in Griechenland.
Die Fährbetreiber wollten ihr Überfahrmonopol nicht aufgeben.

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