Von Teheran in die Wüste

Blick aus dem Grünen auf Teheran.

Blick aus dem Grünen auf Teheran.

Lange hatte ich auf die letzte September-Woche hin gefiebert, denn da sollte es Besuch aus der Heimat geben. Mit Peter und Christin besuchten mich zwei sehr enge Freunde und ich bin den beiden dafür ziemlich dankbar. Auch wenn das Reisen an sich und die vielen dabei gemachten Bekanntschaften sehr erfüllend sind, ist es doch etwas besonderes nach so langer Zeit mal wieder etwas mit guten Freunden gemeinsam zu unternehmen. Und dann haben die beiden sogar keine Mühen gescheut und sich dem nicht ganz einfachen Visa-Prozess für den Iran gestellt. Chapo!

Zu dritt sollte es nun also für 14 Tage im Backpacking-Stil von Teheran nach Isfahan gehen. Das Tier wartete unterdessen bei einem Warmshowershost in Isfahan auf mich. Mit Bus und Taxi reisten wir auf einer typischen Touriroute und klapperten allerhand Sehenswertes ab, damit sich die weite Anreise für die beiden wenigstens lohnte.

 

Teheran

Der Freiheitstum.

In der Hauptstadt des Irans verbrachten wir gemeinsam nur drei Tage. Das Verkehrschaos war riesig, dazu gab es viel zu viele Abgase. Die Fußwege im Zentrum waren voll von Menschen, den Auslagen von Geschäften oder mit Motorrädern zugeparkt. Architektonisch wirkte die Stadt auch nicht unbedingt attraktiv, die von uns angepeilten Sehenswürdigkeiten waren weit verstreut. Nicht unbedingt die schönste Stadt, kein Grund zum längeren Verweilen. Vermutlich muss man sich ein ganzes Weilchen länger auf Teheran einlassen, um den Charme der Stadt zu entdecken.

Am Stadtrand von Athen.

Im Norden der Stadt liegt das Elbrus-Gebirge – das mit dem 5609 Meter hohen Damavand schon ganz schön beeindruckend ist. Es gibt sogar eine 12 Kilometer lange Seilbahn mit der man 1840 Höhenmeter hinauf auf den 3964 Meter hohen Mount Tochāl kommt. Als wir vor Ort ankamen, erfuhren wir dass der Betrieb für die nächsten zwei Tage eingestellt sein sollte. Als Alternative spazierten wir in ein Tal weiter von der Talstation hinauf zu den „mächtigen“ Wasserfällen von Teheran. Einen Tag später versuchten wir es dann am Golestan-Palast, um vor Ort festzustellen, dass dieser auf Grund eines Feiertages geschlossen war. Genauso war es auch der von uns angepeilte Basar. Statt dessen vertrieben wir uns die Zeit in einem Park, besuchten ein Aquarium, ein Café sowie den Freiheitsturm (der seit der Islamischen Revolution Azadi Turm heißt) und suchten am Nachmittag wieder unser Hostel auf. Denn zu dieser Zeit waren die Proteste seit über einer Woche im Gange und gerade in Teheran ging es ab dem frühen Abend im Stadtzentrum heftig zu. Die Sicherheitskräfte gingen gewaltvoll gegen die für die Freiheit Demonstrierenden vor. Touristen sollten sich fernhalten, da sie sonst vom Regime auch als Spione oder „feindliche Journalisten“ bezeichnet und eingeknastet werden konnten.

Golestan-Palast.

In den Golestan-Palast haben wir es einen Tag später dann doch noch geschafft. Von den Räumen war einer prunkvoller als der andere eingerichtet. Am außergewöhnlichsten wirkten auf mich die verspiegelten Räume. Dort waren die Räume mit tausenden kleinen Spiegeln besetzt, so dass es an jeder Stelle des Raumes glitzerte. In den Räumen gab es die übliche Sammlung der ehemaligen Herrscher zu bestaunen: Gemälde, Waffen, Porzellan-Gedecke aus aller Welt, Trophäen und so weiter.

In der ehemaligen US-Botschaft.

Weniger prunkvoll aber dafür vielleicht sogar ein Stück interessanter war der Besuch der ehemaligen amerikanischen Botschaft. Diese wurde 1979 von Studenten besetzt, wobei 52 Botschaftsangehörige in der Botschaft für 444 Tage als Geiseln genommen wurde. Die Studenten versuchten damit nach der Islamischen Revolution die Auslieferung des gestürzten Schahs durch die USA zu erzwingen. Die Botschaft ist heute ein Museum in der es die damals verwendete Verschlüsselungstechnik, einen abhörsicheren Raum, das Büro des Botschafters und jede Menge antiamerikanischer Propaganda zu sehen gibt. Die Geschichte mal aus der iranischen Perspektive zu sehen war schon ziemlich spannend und regte zum Nachdenken an.

Ein Plakat in der ehemaligen Botschaft der Vereinigten Staaten.

Ein Plakat in der ehemaligen Botschaft der Vereinigten Staaten.

 

Auf in die Wüste

Nach dieser kurzen Hauptstadtvisite ging es für uns weiter nach Kashan. Die Stadt liegt am Rande der Maranjab Wüste. Es war die erste richtige Wüstenstadt die ich zu sehen bekam – mit der für diese Region typischen Architektur: Windtürme, Wasserspeicher, teilweise tiefer als den Erdboden gelegene Räume und die eintönigen ockerfarbenen Wände. Die große Moschee im Zentrum der Altstadt war schon ein richtiger Hingucker – sie vereint einige dieser Merkmale und ist zudem noch mit wunderschönen blauen Ornamenten verziert. Was die Schönheit der Kuppeln anging, so kann die Moschee allerdings in meinen Augen nicht mit der großen Kuppelhalle im Basar von Kashan mithalten. Diese riesige Kuppel ist sehr kleinteilig gestaltet und wunderschön verziert. Das Schlendern über den Basar lohnt sich aber nicht nur deshalb – wie üblich geht es dort auf einem sehr engen Raum sehr gedrängt zwischen den unzähligen Läden mit ihren bunten Auslagen zu. Eine Atmosphäre wie ich sie bisher nur im Orient kennengelernt habe.

Eindrücke aus Kashan.

Bei unserer Stadtbesichtigung legten wir auch einen Stopp in einem ehemaligen Hamam ein – dem Sultan-Amir-Ahmad-Badehaus. Die Architektur und Gestaltung des liebevoll restaurierten Badehauses machte mich sprachlos. Die Wände sind von unten bis oben verziert: bunte Fliesen, Ornamente, diverse Motive. Egal wo man hin schaut, kann man sich in zahlreichen Details „fest gucken“. Aber nicht nur das Innere des Badehauses war ein wahres Festmahl für das Auge, sondern auch das Dach mit den zahlreichen Kuppeln. In den Spitzen der Kuppeln gab es jeweils einen kleinen Dampfabzug und ringsherum zahlreiche runde Glasscheiben, die im Inneren für eine magische Lichtstimmung sorgten.

Sultan-Amir-Ahmad-Badehaus in Kashan.

Der eigentliche Grund für unseren Stopp in Kashan lag jedoch circa 60 Kilometer außerhalb der Stadt: Ein riesiger ausgetrockneter Salzsee, umgeben von Wüste. Dahin zu gelangen stellte sich einfacher heraus als zunächst gedacht, denn unser Hostel selbst bot Touren dahin an. Zusammen mit einem Schweizer Backpackerpärchen fuhr uns der Hostelbesitzer in einem Jeep dann zum Salzsee. Auf dem Weg dahin gab es noch Zwischenstopps an einer alten Untergrundstadt, einer ehemaligen Festungsanlage gebaut aus Lehm und Stroh sowie an einem Mausoleum, was im Grunde genommen eine etwas prachtvollere Moschee-Anlage ist.

Attraktionen im Schnelldurchgang: Eine alte Festung und das Mohammad Helal Mausoleum

Die Fahrt selbst war eine Erfahrung der anderen Art. Unser Fahrer drehte die Soundanlage extra laut mit alten Kamellen wie „Life is Life“ oder „We will Rock you“ auf und heizte ordentlich auf der Schotterstraße durch das Gelände. Es war eine Art Zwangsparty. Kurz vor Erreichen des Ziels hieß es umsteigen auf das Dach des Jeeps und dann ging es mit 90 Sachen die letzten 2-3 Kilometer bis zum Salzsee – eine Erfahrung auf die ich gerne verzichtet hätte, allerdings wussten wir nicht so genau was er vor hatte. Am Salzsee angekommen konnten wir diese spezielle Landschaft dann im Licht der sich dem Horizont nähernden Sonne genießen. Es war schon beeindruckend in diese flache scheinbar unendliche Weite zu blicken, deren Boden aus einer lebensfeindlichen Salzkruste bestand.

Öde aber trotzdem äußerst magische Landschaften.

Der letzte Stopp unseres Ausflugs mit dem Hostelbesitzer waren ein paar Sanddünen der Wüste. Wir erreichten diese kurz vor Sonnenuntergang und hatten somit ein herrliches Licht auf den Dünen. Eine Umgebung die auch nicht gerade vor Leben sprudelt, wobei dort zumindest noch hin und wieder ein paar Gestrüpp-Büschel herum standen und später auch ein paar Kamele vorbei trotteten. Nach Einsetzen der Dunkelheit gab es direkt am Fuße der Dünen in gemütlicher Runde Abendessen. Im Anschluss ging es etwas ruhiger wieder zurück nach Kashan.

Von beruflichen Ausflügen mit Schülis mal abgesehen war es für mich die erste gebuchte Tour zur Besichtigung diverser Attraktionen. Und für lange Zeit vermutlich auch die letzte. Es war zwar schon schön diese ganzen Dinge zu sehen, doch brauche ich dafür weder Party-Musik noch einen antreibenden Führer und ein begrenztes Zeitbudget. Da lobe ich mir doch das langsame entspannte Reisen mit dem Rad, wo ich selbst entscheide wann ich wo hin aufbreche und wie lange ich verweilen möchte.

Reisezeit: September 2022

  07.01.23 um 14:03 Uhr
  radreise, stadtbesichtigung, iran
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